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Neues aus Sepetiba: Ich mache mal weiter in Rio ... 5 Sambaschulen in 6 Tagen (besser gesagt: Nächten), die mit dem wahrhaften Höhepunkt meines Rio-Daseins besiegelt wurden: der Imperatriz Leopoldinense ... in Lemis Herzen jetzt schon Gewinner des Karnevals 2010. Es war geil. Es war anstrengend. Es war Chaos. Und es war der
  1. # 163
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    Standard או והאזור: חדשות מ- Sepetiba

    Ich mache mal weiter in Rio ...



    5 Sambaschulen in 6 Tagen (besser gesagt: Nächten), die mit dem wahrhaften Höhepunkt meines Rio-Daseins besiegelt wurden: der Imperatriz Leopoldinense ... in Lemis Herzen jetzt schon Gewinner des Karnevals 2010.

    Es war geil. Es war anstrengend. Es war Chaos. Und es war der Abschied von Freunden, die ich nie vergessen werde. Trotzdem mache ich hier jetzt mal einen Break in meiner Berichterstattung aus Rio.

    Die Ereignisse des Power-Weekends möchte ich mir exklusiv für das demnächst erscheinende Buch aufheben. Ebenso meine persönlichen Erlebnisse mit Grace´ Mãe Santa.

    Lediglich von meinem letzten Abend in ריו דה ז'ניירו, den ich in der Imperatriz Leopoldinse verbracht habe, möchte ich noch berichten, ganz einfach, weil er zu viele Schlüsselerlebnisse in sich birgt, die dafür sorgen werden, das Gesamtbild meiner Rio-Berichterstattung abzurunden. Somit schliesst sich der Kreis wieder.

    Um Appetit auf das Buch zu bekommen, kommt gleich noch eine (vielleicht unvollständige) Übersicht, über die noch ausstehenden Kapitel, die natürlich nicht allzu viel über deren Inhalt aussagen. Ausserdem werde ich in Kürze hier im Forum ein paar Umfragen initiieren, die den Buchtitel, Design und auch Inhalte betreffen. Ich möchte dazu gerne die Meinungen der Brasilweb-Leser hören und natürlich später berücksichtigen. Schliesslich soll es ein Bestseller werden ...


    Fehlende Kapitel:


    Bei „Mãe Santa“

    - Lemis Verwünschung


    Mittwoch: Vila Isabel


    -Das Desfilé beginnt
    -Graces Rache
    -Vila Isabel 2 Tage vor Kriegsbeginn

    Freitag: Portela


    - Minischule mit (zu) großen Ambitionen
    - Dem Chaos schon recht nahe

    Sonnabend: Rocinha


    -Am Tag als der Krieg begann
    -Der Abend ohne Damen

    Sonntag: União da Ilha do Governador


    - Lemi probiert den „Jeitinho alemão“ an den Cariocas aus

    Montag: Imperatriz Leopoldinense


    -Der Tamborinspieler in der „Bar do Alemão“
    -Die fabulösen Damen
    -Lemis endgültiges Glück

    Der Abschied von Grace


    -Emotionen
    -Hoffnung
    -Wünsche
    Geändert von Lemi (25. October 2009 um 09:43 (שעון)
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  2. # 164
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    Rio/Saarland/Schwaben
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    Standard או והאזור: חדשות מ- Sepetiba

    Zitat פורסם במקור על ידי Lemi Beitrag anzeigen
    Lediglich von meinem letzten Abend in ריו דה ז'ניירו
    Putz... o tempo tá voando und wir haben uns gar nicht getroffen...

    Aber: ich habe ja ein Apto in der Nähe Maracanã bzw. noch näher Escola da Samba Salgueiruuu. Freunde des Forums sind herzlich eingeladen. Vielleicht zeigt mir Lemi dann mal "meine" Sambaschule...

    Dann kann ich Dir auch zeigen, wo man am besten parkt, wenn man zur EdS Vila Isabel will (ohne in die Favela zu fahren)...

    Gute Heimreise
    aus dem kalten, grauen Dland
    Ursinho
    ריו דה ז'נירו היא עיר מלוכלך...

  3. # 165
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    Standard או והאזור: חדשות מ- Sepetiba

    Zitat פורסם במקור על ידי Ursinho4711 Beitrag anzeigen
    Putz... o tempo tá voando und wir haben uns gar nicht getroffen...

    Aber: ich habe ja ein Apto in der Nähe Maracanã bzw. noch näher Escola da Samba Salgueiruuu. Freunde des Forums sind herzlich eingeladen. Vielleicht zeigt mir Lemi dann mal "meine" Sambaschule...
    In die Salgueiro kannst du auch ohne Lemi gehen. Das ist, glaube ich, momentan die touristischste Sambaschule unter allen. Dort zu wohnen ist natürlich geil. Es gibt ja noch 3 andere Sambaschulen in unmittelbarer Nähe.

    Zitat פורסם במקור על ידי Ursinho4711 Beitrag anzeigen
    Dann kann ich Dir auch zeigen, wo man am besten parkt, wenn man zur EdS Vila Isabel will (ohne in die Favela zu fahren)...
    Am besten parkt man schräg gegenüber auf dem Parkplatz des Sendas-Supermarkt. Der wird nachts auch bewacht. "Volkstümlicher" ist es natürlich auf der Einfallstrasse zum Morro oder im Parkverbot im Kreisverkehr ...
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  4. # 166
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    Standard או והאזור: חדשות מ- Sepetiba

    Die letzte Nacht in Rio

    Von Grace hatte ich mich zu diesem Zeitpunkt schon verabschiedet. Doch diesem Moment werde ich ein Extra-Kapitel widmen.

    Nach meinem verpatzten ersten Besuch in der Imperatriz hatte ich mir den letzten Abend für einen „Solo-Auftritt“ reserviert. Obwohl der Favelakrieg zwischen den Drogengangs ADA und CV schon seit 2 Tagen im Gange war und die Polizei nach dem Abschuss eines Polizeihubschraubers über dem „Morro dos Macacos“ in die Favelas einmarschierte, um sich zu rächen, wollte und konnte ich nicht auf diesen Abend verzichten. Ich wusste, dass eine gewisse Gefahr bestand, da die Schiesserein auch auf den Complexo da Maré, unmittelbarer Nachbar des Complexo do Alemão, der an diesem Abend meine Destination sein sollte, übergeschlagen hatten.

    Ich wollte noch mal so richtig in die Unterwelt Rios abtauchen. Das alte, im vergilbten Anstrich vor mir stehende Gebäude mit dem Wellblechdach auf verrosteten Trägern schien der bestmögliche Platz dafür zu sein. Es befand sich am Fuße des „Morro do Alemão“ - einer der berüchtigsten Favelas Rio de Janeiros. Auch das Wetter konnte nicht besser sein. Schon auf der Fahrt in die Favela sah ich eine dunkle Gewitterfront nahen, die sich nach meiner Ankunft anfing auszuschütten. Es regnete, blitzte und donnerte. Im Licht der Blitze sah ich die Hangfavela vor mir erleuchten. Diesmal war ich alleine ... ganz alleine ... ohne Anhängsel. Nicht mal meine Freunde aus der Vila Isabel wollte ich an meinem letzten Samba-Abend dabei haben. Ich wollte einfach mal vogelfrei sein und heimgehen, wann ich es für richtig hielt. Alles passte zusammen. Ich war glücklich wieder vor der Sambaschule der Imperatriz Leopoldinense zu stehen.

    Schlimm war, dass ich an meinem letzten Abend einsehen musste, dass Grace nicht die Königin unter den Samba-Tänzerinnen war. Schlimm war auch, dass meine bisherigen Geheimfavoriten für den kommenden Karneval allesamt vom Tisch gefegt wurden. All meine vorkonstruierten Urteile über Rios Sambaschulen wurden in dieser Nacht über den Haufen geworfen. Und ich wusste, dass das passiert. Ich ahnte es zumindest. Und zwar genau in dem Moment, als ich die hellgrün-weiß gekleideten Tänzerinnen und Tänzer der Imperatriz bei meinem allerersten Sambaschulen-Besuch in der Mangueira vor mir auf der Tanzfläche dahingleiten sah.

    Doch nun erst mal Schluss mit der Schwärmerei und zurück zum Ablauf des Abends, der an der „Bar do Alemão“ (wo sonst hätte ich mich hinsetzen sollen?) begann. Wieder wurde ich nach der Bier-Bestellprozedur angequatscht. Diesmal von meinem Tischnachbarn, ein unscheinbarer, offenbar einfacher Mann aus der Favela, mit dem ich anschließend bei strömenden Regen zum Zeitvertreib 2 Flaschen Antarctica unter der improvisierten Plane an einem Kiosk vor Beginn der Sambashow trank. Er stellte sich mir als Chico vor. Wir quatschten über Sambaschulen, Fußball, alle möglichen Unarten der Frauen und dass wir sie trotzdem lieben (uff ... endlich mal kein Schwuler!) und natürlich die Herkunft meines Dialekts. Er tippte auf Argentino. Ich flachste und meinte: „du brauchst gar nicht so weit von zu Hause weg zu denken. Wie heißt doch dieser Morro hier?“

    „Aaaahhh Alemão!?!?!?“ kam verwundert aus seinem Mund. Ich wusste nicht, ob ich seine anschließende Aussage: „Hätte ich nicht gedacht. Dem Schnabel nach bist du schon fast wie ein echter Carioca“ positiv deuten sollte. Aber egal. Die dicke, fast zahnlose Oma an der Bar, die heimlich mitgehört hat, wackelte mit ihrem Zeigefinger und bestätigte „Nee, bei dir hätte ich echt nicht auf Gringo getippt“.

    Der Mann regte sich über die Abzocke der Parkplatzwächter auf. Er sagte, die kommen nur zu Beginn der Sambashows und kassieren ab. Wenn die Leute alle in der Sambaschule sind, hauen sie mit dem Geld ab und lassen die Autos unbewacht stehen.

    Da ich mein Auto soeben abgestellt und einen der Wächter bezahlt hatte, meinte ich, dass der Imperatriz-Wächter mit 4 R$ die billigsten in meiner „Samba-Karriere“ war. Am Tag zuvor auf der Ilha do Governador hatte ich nach zähen Verhandlungen 15 R$ abgedrückt. Auf der Mangueira waren 10 R$ üblich, für Bekannte 5 R$. Bei allen anderen Sambaschulen zahlte ich 10 R$, ausser in der Vila Isabel, wo ich auf der Einfallstrasse zum „Morro dos Macacos“ kostenlos auf der Strasse parkte.

    Ich fragte sofort nach, ob hier Gefahr besteht, dass das Auto geklaut wird. Es kam ein überzeugendes, vielleicht auch entsetztes „NAAAOOO“ aus seinem Mund. „Hier auf dem Morro wird nicht geklaut. Wer von den Bossen des Hügels erwischt wird, verliert einen Finger. Wenn einer öfters erwischt wird, kann es passieren, das er auch mal die ganze Hand verliert.“

    Ich kann diese Szene aus einem Favela-Film, ich glaube es war „Cidade de Deus“ und wusste nun, dass es der Realität entspricht. Die von den grossen Drogengangs eingenommenen Favelas stellten also ihre eigenen Gesetze auf und – anders als in der brasilianischen Politik – sorgten sie auch gleich persönlich für deren Durchsetzung. Es herrschten klare, für alle Favelabewohner transparente Leitlinien, denen Folge zu leisten war. Allerdings war es eine Art Militärregime. Und es gab die Todesstrafe, sicherlich meist von einem schwerbewaffneten und mit Drogen zugedröhnten Standgericht ausgesprochen. Also wirklich nichts zum Lachen.

    Ich erzählte Chico (was sicher nicht sein Name war, aber so wurde er genannt) von meiner Liebe zur Vila Isabel. Er meinte, dass es in Rio kein Problem sei, Fan einer konkurrienden Sambaschule zu sein. Die Konkurrenz sei nicht so krankhaft wie beim Fussball und es sei sogar schick in mehreren Sambaschulen desfilieren zu gehen. Er bestätigte mir, dass ich also keineswegs damit anecken würde, wenn ich mit einem Vila Isabel-Shirt in die Imperatriz gehen würde. Natürlich hatte ich bei der Auswahl meiner Abendbekleidung sorgfältig darauf geachtet, dass sie der besuchten Sambaschule entspricht. So trug ich heute abend ein hellgrünes T-Shirt, die mit meinem weissen Gesichtsteint kombiniert, die Farben der Imperatriz ergaben.

    Ich erzählte Chico von meinem Missgeschick während des ersten Besuchs in der Imperatriz. Ich beichtete ihm auch, dass ich nur wegen der Passistas hier war, die ich in der Mangueira gesehen hatte und ich mir bis heute nicht sicher war, ob sie wirklich vom Morro do Alemão kamen. Er lachte und meinte: „ich weiss nicht, ob es die sind, die du suchst, aber du wirst sie lieben ...“

    Das Gespräch mit Chico war hochinteressant, wurde aber leider dadurch unterbrochen, dass die Zeltplane, die uns als Schutz vor dem strömenden Regen diente, plötzlich unter der Last des akkumulierten Wassers zusammenbrach. Ich konnte gerade noch so davonspringen, Chico hingegen war klatschnass. Was ich nicht wusste war, dass er Wechselsachen dabei hatte. Und zwar in Grün-Weiss. Wie sich später im Inneren der Sambaschule herausstellte, war er Cuica-Spieler in der Bateria der Imperatriz. Und es war nicht irgendeine Bateria, sondern eine der besten Rios!


    המשך...
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    Geändert von Lemi (26. October 2009 um 15:17 (שעון)
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  5. # 167
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    Ich war gerade dabei ein paar Fotos der Bateria zu machen als mich Chico rief. Er umwickelte seine Finger mit einer Binde und schmierte sie mit handelsüblichen flüssigen Süssungsmittel ein. Diese Kombination schützte seine Finger und erzeugte den Klang der Cuica, in dessen Inneren sich ein kleiner lederner Riemen befand an dem Chico und seine Kollegen herumrieben. Der Ton der Cuica war unverkennbar und gehörte zum Karneval Rio´s wie die Butter zum Brot.

    Die Bateria selber wurde von Mestre Marcão in einem weissen Anzug dirigiert. Er war zweifellos der Chef und seine meist viel älteren Untertanen folgten seinen Anweisungen gnädigst. Es war ein Klangspektakel und übertraf die Salgueiro und Mangueira-Bateria um Längen. Selbst die mir bis dahin am meisten imponierende Vila Isabel-Trommelgruppe, die sich ebenfalls durch besondere Disziplin auszeichnete, war hier nur zweiter Sieger.

    Beim anschliessenden Finale um den besten Samba de Enredo, an dem immerhin noch 4 Gruppen teilnahmen, mussten die Wettbewerber in den ersten 10 Minuten ihren Song noch ohne Begleitung der Bateria vortragen. Anschliessend stimmte die Bateria ein und sofort stieg die Stimmung im Tanzsaal. Die Passistas legten los und verfielen dem Samba.

    Der Direktor der Imperatriz bat die Trommler vor Beginn des Wettbewerbs inständig darum, bei allen 4 Konkurrenten mit der gleichen Leidenschaft und Perfektion zu agieren und persönliche Präferenzen für den einen oder anderen Sänger nicht durchschimmern zu lassen. Es war klar, dass ein falscher Ton den ganzen Song kaputtmachen konnte und die Jury, die mit gespitzten Ohren zuhörte und natürlich ausschliesslich aus Fachleuten des Sambageschäfts bestand, so etwas heraushören würde.

    Lemi war das natürlich egal. Egal war mir auch, wer letztendlich seinen Samba beim Karnevalsumzug in der Sapucai innerhalb von 90 Minuten ca. 60 mal hintereinander singen durfte. Aber es ging natürlich nicht nur um das Prestige, sondern auch um Geld. Viel Geld für einen Favelado ... ich hatte von Grace erfahren, dass alleine der Gewinner des Sambas de Enredo 10.000 R$ abkassiert. Ähnliche Prämien gabs für die Rainha da Bateria, ihre Prinzessinnen und andere fundamentale Bestandteile des Karnevalsblocks.

    Karneval in Rio war also nicht nur Lebensfreude pur, sondern auch ein Geschäft.

    Sicherlich kein Geschäft, bei dem die von der Armut betroffenen Favela-Bewohner aus ihrer Misere herausgehievt werden. Besonders sie „bluten“ eigentlich am meisten aus. Ihre Kleidung mit all dem Glitzer und Glimmer müssen sie sich selber anfertigen. Meist kiloschwerer mit Federn beschmückter Kopfschmuck, extravagantes Schuhwerk und ein Dauerabo im Fitnessstudio sind kein billiger Spass, sondern kosten den Sambaverrückten meist ihre gesamten Ersparnisse. Doch ich habe in den vielen Sambaschulen Rio´s wirklich niemanden kennengelernt, der die finanziellen Opfer nicht für seine, natürlich allerbeste unter den Sambaschulen, nicht erbracht hätte. Er war wie eine Sucht, die im August jeden Jahres mit den ersten Proben begann und mit dem Karnevalsumzug im Sambodrom als definitiver Höhepunkt im Februar endete.

    Genau diese Lebensfreude spürte ich besonders deutlich in der Imperatriz. Die Leute schienen mit einer Freude an einem gewöhnlichen Montagabend zu ihrer Party zu gehen, die sie scheinbar alle Schwierigkeiten am Folgetag vorübergehend vergessen liess. Es war eine Demonstration von Ausgelassenheit, die besonders beim Tanzen zum Ausdruck kam. Ich spürte eine Leidenschaft, die ich in keiner anderen Sambaschule so hautnah wahrnahm. Sie übertrug sich nicht auf mich, sondern vereinnahmte mich. Es war auch kein Wunder, denn in der Imperatriz wurde nicht auf einer erhöhten Bühne getanzt, sondern im Tanzsaal. Man war mittendrin und konnte eigentlich gar nicht stillhalten. Und alles im Rhythmus der Trommeln, Tamborins, Cuicas und Ganzas. Wie hatte sich nur Lemis Leben seit Rio gewandelt!?

    המשך...


    Ein paar Fotos von der Bateria der Imperatriz Leopoldinenese (und deren Nachwuchs) ...
    Miniaturansicht angehängter Grafiken תמונה ממוזערת של גרפיקה מצורפים Neues aus Sepetiba-k-pa195899.jpg   Neues aus Sepetiba-k-pa195907.jpg   Neues aus Sepetiba-k-pa195914.jpg   Neues aus Sepetiba-k-pa195910.jpg  
    Geändert von Lemi (27. October 2009 um 10:09 (שעון)
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  6. # 168
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    Standard או והאזור: חדשות מ- Sepetiba

    Nochmal: Es war ein stinknormaler MONTAGABEND und wirklich alle mehr oder minder wichtigen Bestandteile einer Sambaschule waren anwesend. Das ging natürlich beim Direktor der Sambaschule los und endete bei der Königin der Bateria, die sogar ihre 2 Gefolginnen, die Prinzessinnen, dabei hatte. Lemis Favoritin unter den Dreien war allerdings nicht die Königin, die sicherlich ihr gesamtes Preisgeld in Silikon und diverse Makulaturarbeiten an ihrem Körper, Gesicht und Haaren investiert hatte. Nein, es war die eigentliche Nummer 3, die nicht nur am sympathischsten und natürlichsten erschien, sondern immer wieder ein „ganz besonderes“ Lächeln für Lemi übrig hatte. Ich genoss es einfach nur (und lächelte natürlich zurück).

    Neben der Bateria waren auch die Baianas, die alte Garde, die Fahnenträgerin und der Saalmeister anwesend. Worauf ich aber am meisten gespannt war, waren die Passistas. In meinem Gedächtnis spulten sich die Bilder aus der Mangueira vor mir ab und ich versuchte die nach und nach eintreffenden Damen in dieses Raster zu packen.

    Und siehe da ... da war die Erste, die ich aus der Mangueira in Erinnerung hatte. Mich durchströmte ein Glücksgefühl. Plötzlich bekam meine Besessenheit einen Sinn und all meine Vorgefühle bestätigten sich. Nun ging es Schlag auf Schlag. Anscheinend war die Zeit heran, in der die Passistas in der Sambaschule zu erscheinen hatten. Ich erkannte auf Anhieb mindestens 4-5 Damen. Ich hatte mir die Fotos aus der Mangueira mittlerweile so oft angeschaut, dass die Bilder sich in mein Gedächtnis eingefressen hatten und nun wieder vor meinen Augen lebendig wurden.

    Ich wurde etwas sentimental.

    Meine in den letzten Wochen durchlebten Tagträume wurden endlich war. Und das alles am letzten Abend in Rio. Perfekter konnte ein Showdown nicht sein. Zum ersten Mal an diesem Abend wünschte ich mir, diesem Moment mit jemandem teilen zu können. Alle meine Freunde wussten von meiner Leidenschaft und Besessenheit für die Imperatriz. Manche hielten mich vielleicht für verrückt oder lächelten zumindest über mich.
    Ich bekam immer wieder zu hören „Imperatriz ... da gehe ich nicht hin“, „Imperatriz ... die mag ich nicht“, „Impertriz – ist doch nur eine Hinterhofsambaschule“.

    Doch nun stand ich alleine hier und mir fiel nichts besseres ein, als meine Freude mit einem Bier zu begiessen. Ich war überglücklich an diesem letzten Abend noch mal in die Imperatriz gefahren zu sein, obwohl draussen der Krieg tobte, die Schüsse in vielen Favelas knallten und es schon an die 35 Tote gab. Nein, Lemi war glücklich. Manchmal musste man gegen den Strom schwimmen, um sein Ziel zu erreichen. Lemi tat dies nicht nur einmal in Rio und wurde am letzten Tag dafür belohnt. Ohne Zweifel hatte Rio, trotz vorheriger Zweifel, eine positive Ausstrahlung auf Lemi gehabt.

    Doch zurück zum Geschehen auf der Tanzfläche, die sich immer mehr füllte.

    Es ging jetzt Schlag auf Schlag. Es war ein Donnerwetter an Ereignissen, die sich aneinanderreihten. Draussen blitzte und regnete es immer noch und mittlerweile lief ein Wasserstrom durch den Tanzsaal. Keinerlei Entsetzen – im Gegenteil. Die Tänzerinnen legten jetzt noch einen Schritt zu und spritzten mit ihren hochhackigen Absatzschuhen das Wasser auf die weissen Hosen ihrer Tanzpartner. Doch scheinbar juckte das niemanden. Das Lachen (es war nicht nur ein Lächeln) war einfach nicht aus den Gesichtern wegzubekommen. Die Baianas reihten sich ein und drehten sich wie üblich um ihre eigene Achse, wahrscheinlich solange, bis sie von einem Schwindelanfall erfasst wurden. Auch das hübsche Pärchen der Fahnenträgerin, die ein besonders schön besticktes Kleid trug und des Saalmeisters, legte nun los. Die übliche Zeremonie der Fahnenküsserei durch den Direktor der Sambaschule und einigen Ehrengästen (nein, nicht Lemi ... noch nicht!) wurde abgespult und anschliessend wurde ein Korridor für die Tanzvorführung der Beiden freigehalten, damit sie ihre weitschwingenden Tanzbewegungen in voller Breite ausführen konnten. Zum Abschluss verbeugte sich das Paar ehrwürdig vor der Bateria und dessen Mestre tat es ihnen gleich. Klar, alles eingespielte Szenarien, die zum Ablauf einer Sambaschulen-Vorführung gehörten. Nachdem die Dame und ihr Tanzmeister den Saal verliessen, stürmten die Passistas die Tanzfläche und tanzten sich im Power-Samba ihre Sohlen heiss. Das war Lemis Moment. Diese Bewegungen und die Eleganz machten mich immer wieder völlig verrückt. Es war Erotik pur und kein Tanz auf der Welt hatte diese Power und gleichzeitig soviel Sensualität.

    Die Damen in den kurzen grünen Kleidern liessen die Hüften schwingen und schüttelten ihre Beine durch. Eine der Damen lenkte meine Aufmerksamkeit besonders auf sich. Ihr Swing war einfach besser als bei den anderen Damen. Sie war lockerer und fügte immer wieder Tanzelemente ein, die das Power-„Dribbeln“ unterbrachen und ihr einen Hauch von Eleganz verliehen. Anschliessend ging es mit voller Power weiter und man meinte zu glauben, dass sie eine unendliche Kondition hatte. Sie erinnerte mich an Grace.

    Nachdem ich sie eine Weile intensiv beobachtet hatte, sah ich es ein: Sie war sogar noch besser als Grace. Bei ihr bekam man regelrecht Angst, dass sie sich in ihren eigenen Beinen verfing und der Länge lang auf die Tanzfläche klatschten würde, so schnell waren ihre Beinverwirbelungen. Sie blickte dabei nicht etwa in Richtung ihrer Beine, um sich zu koordinieren, nein, der Blick ging gerade aus und hatte dabei ein strahlendes Lachen in ihr Gesicht eingraviert. Sie war nicht so schwarz wie Grace, aber ihr Haar war ähnlich lang, gelockt und schokoladenbraun gefärbt. Sie war auch nicht so muskulös, hatte aber offenbar mehr Energie in ihren schmalen, eleganten Beinen gebündelt, die ihr die nötige Flexibilität gaben. Es war einfach eine Augenweide ihr zuzusehen. Und ich genoss es, denn niemand klopfte mir auf die Schulter und wollte zum Maracanã.

    Lediglich die Uhr tickte immer weiter. Aber Lemi hatte mittlerweile gelernt, dass Schlaf in manchen Situationen sekundär ist. In den wichtigen Momenten des Lebens hatte man munter zu sein.

    Irgendwann war Pause.

    Ich nutzte die Gelegenheit um alles, was mich gerade eben noch visuell beeindruckt hatte, zu fotografieren. Die Passistas waren zum Glück sehr zugänglich und so bekam ich reichlich Gelegenheit sie ganz natürlich oder in Pose zu fotografieren. Ich wurde fast panisch als meine Kamera plötzlich „niedrigen Batteriestatus“ anzeigte. Ich sah bereits alle Felle wegschwimmen. Aber an diesem Abend meinte es auch die Kamera gut mit mir und hielt bis zum Ende durch. Es war Lemis endgültiges Glück in Rio! Wenn ich auf der Heimfahrt aus der Favela abgeknallt worden wäre, hätte mich das herzlich wenig gejuckt. Ich wäre glücklich und zufrieden verendet.

    Fortsetzung folgt ....

    (aber erst mal ein paar Bildchen!!)
    שתוקן למי (28 באוקטובר 2009 סביב) 12:33 (שעון)
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